13. Juli 2021

„Die „Mexico-Hilfe“ gibt jungen Menschen eine Perspektive auf eine bessere Zukunft.“

Die Mexico-Hilfe wird 35 Jahre alt. Aus diesem besonderen Anlass haben wir mit Heiko Maas gesprochen. Im Interview beleuchtet der Bundesminister des Auswärtigen die soziale Kraft des Sports und beschreibt, warum speziell der Fußball ein geeignetes Vehikel für Völkerverständigung und zur Förderung von internationaler Kooperation ist.

Bundesaußenminister Heiko Maas © Susie Knoll

Herr Minister Maas, im Verlauf Ihrer Amtszeit als Außenminister haben Sie auch schon Mexiko besucht. Sie haben die Partnerschaft beider Staaten betont, die auf gemeinsamen Werten und engen Beziehungen der Regierungen sowie in Wirtschaft und Zivilgesellschaft gründet. Welche Rolle spielen dabei Projekte, wie sie die DFB-Stiftung Egidius Braun mit der Mexico-Hilfe seit inzwischen 35 Jahren initiiert?

Es sind gerade Projekte wie die Ihrer Stiftung, die Beziehungen zwischen Staaten menschlich gestalten und in die Gesellschaften beider Länder hineinwirken. Mit Mexiko pflegen wir Deutschen – und nicht allein über die Bundesregierung – enge Beziehungen in allen denkbaren Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das beginnt mit unseren Schulen und dem sich anschließenden akademischen Austausch, führt über eine immense Zahl deutscher Unternehmen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus beiden Nationen hin zu einer tiefen gegenseitigen Zuneigung zu Kultur und Geschichte beider Länder – und findet Ausdruck auch in vielen Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Und so setzt sich ein wunderbares Mosaik zusammen, das für Mexiko und Deutschland gleichermaßen gewinnbringend ist. Das Projekt der DFB-Stiftung Egidius Braun, das während der WM 1986 am Rande der “Hitzeschlachten von Querétaro” begonnen wurde, ist einer der besonders schönen Steine dieses Mosaiks.

 

Benötigt Mexiko als aufstrebende und in vielerlei Hinsicht bereits hochentwickelte Volkswirtschaft tatsächlich noch Hilfe aus Deutschland?

In Mexiko wie in Deutschland gibt es eine Vielzahl privater und zivilgesellschaftlicher Initiativen, die Menschen helfen, denen das Schicksal nicht wohlgesonnen war. In jeder Nation, gleich wie entwickelt oder wohlhabend sie sein mag, gibt es weiterhin Bedarf für Hilfsprojekte. Und das ist ja genau der Ansatz, den Egidius Braun und der DFB erkannt haben, und für den sich die Stiftung – wie viele andere bewundernswerte Hilfswerke auch – einsetzt. Gerade Fußball ist bei uns wie bei unseren mexikanischen Freunden ein Sport, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt und der über eine solche Initiative der Gesellschaft auch etwas zurückgeben kann – noch dazu grenzüberschreitend. Das kann ich als Außenminister und Fußballfan nur gut finden.

 

Sie konnten sich einen Eindruck von Land und Menschen verschaffen. Ist Sport in Mexiko ein geeigneter Ansatzpunkt für gemeinsame Projekte und Initiativen?

Wir teilen mit den Mexikanerinnen und Mexikanern unsere Liebe zum Fußball. Aber es gibt kaum eine Sportart, die in Mexiko nicht betrieben wird, darunter auch Disziplinen, die bei uns eher selten sind. Staatspräsident López Obrador zum Beispiel ist ein großer Baseball-Fan. Und dann gibt es noch den typisch mexikanischen Ringkampf ‘Lucha libre’, der die Menschen dieses Landes begeistert. Sport verbindet also auch in Mexiko, Sport macht Menschen glücklich. Aber Sport generiert im Profi-Bereich auch Einkommen – und ja, da liegt es nahe, über den Sport auch die Teile der Gesellschaft zu fördern, die Hilfe benötigen.

 

Was kann der Deutsche Fußball-Bund (DFB) – vielleicht auch in Kooperation mit deutschen Unternehmen vor Ort – tun, um vor allem Kinder und Jugendliche in Mexiko zu unterstützen?

Ich finde es schon jetzt beeindruckend, was der DFB und die Stiftung Egidius Braun in Mexiko leisten. Die „Mexico-Hilfe“ gibt jungen Menschen eine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Wichtiges Element unserer bilateralen Beziehungen ist die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit. Es gibt etwa 2.000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung in Mexiko. Die deutschen Firmen schaffen mehrere 100.000 direkte Arbeitsplätze – und qualifizieren gerade auch junge Menschen. Falls der DFB sein Engagement ausbauen möchte: Unsere Botschaft in Mexiko-Stadt hilft gerne mit, Ideen zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen.

 

Auch wenn Sie unlängst erklärt haben, aufgrund Ihres zeitintensiven Berufslebens mehr zu fliegen als zu laufen, gilt Ihre Leidenschaft doch dem Triathlon. Lernt man als Athlet oder Teamsportler die Rolle des Sports als verbindendes Element zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft besonders zu schätzen?

Beim Fußball und Triathlon habe ich persönlich immer wieder erleben können, wie stark Sport Menschen verbindet. Sportlerinnen und Sportler, egal wie verschieden sie sind, setzen sich ein gemeinsames Ziel, das sie mit viel Energie und Einsatz zu erreichen suchen. Ob dies in einem Team geschieht oder in einer Einzelsportart, ist dabei nicht so wichtig. Wir lernen dabei Respekt – vor den Leistungen der anderen genauso wie vor den ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten.

 

Fußball begeistert die Menschen rund um den Globus. Überschätzt man die Rolle oder kann dieser Sport tatsächlich mehr sein als eine nette Nebenbeschäftigung, kann er gar Brücken bauen und zur Völkerverständigung beitragen?

Fußball weckt starke Emotionen. Und was begeistert, beeinflusst Menschen in ihren Haltungen. Ich bin davon überzeugt, dass der Sport Völker verbinden kann – wenn wir ihn denn dafür nutzen wollen. Durch Sport können wir über kulturelle Grenzen gemeinsam Gefühle teilen. Dies schafft Raum für Begegnungen – und mehr Begegnungen sind wichtig, um Vorurteile zu bekämpfen. Fußball ist dabei besonders erfolgreich. Fußball baut Brücken über Grenzen hinweg. Mit kaum einer anderen Sportart lassen sich weltweit so viele Menschen und die Botschaft von gesellschaftlichem Miteinander und Völkerverständigung besser transportieren.